Resümee unserer Chinafahrt im Herbst 2004
In der Erinnerung wird natürlich schnell alles rosiger und besser, schlechte Erlebnisse und Erfahrungen drängt unser schlaues Gehirn ja bald aus dem Gedächtnis. Für den Überblick ist es trotzdem gut, dass wir ein paar Wochen mit diesem letzten Eintrag in unsere Website gewartet haben.
Unsere Fahrt hat gezeigt, dass es ohne größere Schwierigkeiten möglich ist, eine Autofahrt von Europa bis Ostchina und wieder zurück durchzuführen, und dies in beschränkter Zeit. Das Reisen in Russland, Ukraine, und Kasachstan ist neben einiger „offizieller“ Straßenräuberei durch Polizei und Militär völlig problemlos und ungefährlich, in China und Kirgistan haben wir selbst von dieser kleinen Straßen- und Zollkorruption nichts gemerkt. Besonders China ist für Autoreisen mittlerweile wie geschaffen. (Fast) alle Landesteile dürfen mittlerweile mit dem eigenen Wagen besucht werden, die notwendige und vom Reisebüro eingeholte Genehmigung für bestimmte Gegenden wurde übrigens nie kontrolliert. Unser Reiseveranstalter dort, der Xinjiang Nature International Travel Service (www.nature-tour.com), war perfekt und hat uns eine wunderbare Reise für nicht zuviel Geld verkauft. Außerdem hatten wir mit Li Junyao einen ausgezeichneten Führer, der dazu noch geduldig mit uns war und selbst angepackt hat, wenn es nötig war. Gute Hotels gab’s praktisch überall, am Straßennetz arbeitet man wie verrückt leider auch an dem „Neubau“ der Städte, dem alles Alte und für den Besucher Interessante weichen muss. Vom Klima her waren wir so etwa zwei bis drei Wochen zu spät dran, es war doch oft empfindlich kalt, selbst in der Taklamakan bei strahlendem Sonnenschein.
Die große Einschränkung, eine solche Autoreise zu empfehlen, ist Kasachstan: Grauselige Straßenverhältnisse in den westlichen Teilen des Landes, schlechte und teure Unterkünfte außerhalb der großen Städte, meist schlechte lokale touristische Einrichtungen sowie eine völlig korrupte Bürokratie vermiesen dem Autoreisenden den Besuch des Landes. Wir empfehlen, das Land so schnell wie möglich von Ekaterinburg kommend über Astana und Almaty zu durchqueren: Wenn man dort Urlaub machen will dies kann man zum Beispiel gut in Zhabagly oder Lepsinsk - , dann nimmt man besser den Flieger und benutzt örtliche Verkehrsmittel.
Das Weitere unter einigen Stichworten:
Positiv: Es ist eigentlich ein Wunder, dass beide Wagen diese Fahrt so gut weggesteckt haben. Großes Lob für beide Motoren & Getriebe & Fahrgestell, da gab es keine Probleme! Mit dem trotz voller Beladung niedrigen Spritverbrauch von 2.932 Liter für 30.114 km (9,73 l / 100 km) hatten wir nicht gerechnet! Zumindest beim Nissan behielten wir auch bis zum Ende den gewohnten Komfort, was die Sitze, den Geräuschpegel, die Audioanlage betrifft. Durch den geringen Reifendruck von 1,8 atü hatten wir auf den Schotterwegen auch nur eine Reifenpanne.
Negativ: Zu viele Ritzen, durch die der Staub schnell jeden Punkt des Wageninneren erreichte; ganz schlecht befestigte Dachreling.
Ersatzteile etc.: Reifen gab’s in Russland ohne Probleme, in Kasachstan und Kirgistan war das schon schwieriger, in China ist die Nissan-Reifengröße nicht zu kriegen, aber notfalls geht’s auch mit etwas anderen Reifen. Reparatur von schlauchlosen Reifen war nach Russland immer ein Problem. Keine Bremsklötze gab’s, zum Glück haben unsere nicht schlapp gemacht. Karosserie Reparaturen sind in China hervorragend und konkurrenzlos billig.
Tipps: Für solche Fahrten nichts aufs Dach packen! Bremsklötze mitnehmen. In Kasachstan sollte man nichts machen lassen, nicht mal einen Ölwechsel, Pfusch und (bei Ausländern?!) teuer.
„Senioren“ und „Junioren“ auf einer gemeinsamen Reise das war unser Versuch, mehr aus der Not entstanden, zwei Wagenteams zusammenzubekommen. Natürlich waren die Interessen unterschiedlich, auch die Erfahrungen mit langen Autoreisen. Die Nissanbesatzung, wir „Senioren“, hätten viel öfter angehalten, um Land und Leute genauer zu betrachten oder um Photos zu machen. Besonders auf der Rückfahrt fehlte den Jüngeren da die Geduld, die wollten ab einem Punkt so schnell wie möglich zurück. Eine Art Heimweh oder besser die Bindungen zur Heimat und den Freundinnen dort spielten auch eine große Rolle, was da so telephoniert wurde...
Verstärkt und oft überhaupt zum Ausbruch gebracht hat zudem dieses Generationsproblem der ständige Vater Sohn Konflikt zwischen Moritz und Gerd: In jeder Diskussion wurden die Standpunkte sofort polarisiert, was für die anderen kein Spaß war. Die beiden haben sich zwar immer schnell wieder vertragen, aber es blieb doch eine ungute Stimmung. Vielleicht war auch der Aussendruck kaputte Autos und andere Schwierigkeiten nicht groß genug, alles lief zu glatt, da hatte man genug Zeit, in sich hineinzuhorchen und die ganz privaten Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen.
Tipp: In einer homogeneren Gruppe fahren, wobei es sogar nützlich sein kann, wenn die Teilnehmer sich nicht allzu gut kennen.
Wenn man wie wir wenig Zeit für eine solche Reise hat, sollte man nicht alle paar Tage gezwungen sein, ein Tagebuch fürs Internet zu schreiben, dazu noch in zwei Sprachen. Da wir’s einmal angefangen hatten, kamen wir nicht wieder raus, aber es blieb für ein paar von uns abends fast nie Zeit, sich etwas zu entspannen. Die Suche nach einem funktionierendem Internetcafe für unsere großen Datenübertragungen war auch nirgendwo einfach.
Obwohl die Zeitplanung erstaunlich gut geklappt hat, wären wir an manchen Stellen gerne länger geblieben: Südliche Seidenstrasse, Labrang und nördliches Tibet, aber auch in Ekaterinburg oder Zhabagly. Zu viele Besichtigungspunkte darf man sich auch nicht aufhalsen, also z.B. entweder den Altai oder Aksu Canyon, entweder die Krim oder Odessa: Konzentration auf weniger, dafür längere Fahrtunterbrechungen. Was uns auch gefallen hat, war ab und an die Benutzung von Mietwagen plus Fahrer, unsere Autos und wir hatten was davon.
Würden wir eine solche Reise wieder machen?? Wir denken schon!
Version der „Rookies“ (Toyota-Team)
Durch diese Reise hatten wir gehofft, unsere Abenteuerlust für ein Weilchen befriedigen zu können. Abenteuer machen aber bekanntlich Lust auf mehr und dieses wohl ganz speziell. Zum Teil dachten wir zwar, dass wir den Rest des Lebens von einer Abneigung gegen Autotouren geplagt würden, aber so schlimm war es dann doch nicht. Kurz gesagt haben wir die Reise fast voll und ganz genossen.
Das Einzige auf der Reise, was wir nicht mehr gerne durchmachen wollen, sind die kasachischen Grenzübergänge (v.a. im Norden) und die ständige Straßenräuberei durch Nur Sultans Schergen (Polizei)!!
Ansonsten kann man mit mehr oder weniger Problemen in allen Ländern relativ gut reisen, vor allem in China, da einem der Führer schon viel abnimmt. Zudem hatten wir ja durchgehend akademischen Beistand von Seiten des Senioren Teams, welches uns, zum Teil aufschlussreich und zum Teil lästig, unterstützte. Probleme waren bei diesen Unterschieden natürlich eingeplant, und dass eine gewisse Vater-Sohnproblematik starke Ausmaße erreichen würde, war dem Sohn schon davor klar. Natürlich gab’s auch öfter Mal bei uns Jungspunden Knatsch, aber wer hält es schon zwei Monate auf so engem Raum mit solchen Freaks wie uns aus, ohne mal auszuflippen?
In einer Hinsicht sind sich bei uns aber immer alle einig gewesen und zwar dann, wenn’s ums Essen ging „ Li, could you order some of this sweet and sour pork again...?“.
Das fast tägliche Autofahren wurde mit der Zeit zur Routine. Dennoch musste man sich in jedem neuen Land erst etwas Eingewöhnungszeit geben, um zu sehen wie auf den Strassen der Hase läuft, dass z-B. nach stundenlangen dumpfen Schlägen plötzlich der Rote Teppich einer Luxusautobahn ausgerollt wird und nach fünf Minuten wieder umgekehrt...
In jedem Auto wurde in Zweierteams gefahren: Gerd und Bärbel im Nissan und Moritz und Ueli im Toyota, wobei sich Vater und Sohn als Marathonfahrer entpuppten und jeweils weit mehr als zwei Drittel der gesamten 30 000 km am Steuer saßen.
Im allgemeinen müssen wir aber sagen, dass die Fahrt für uns natürlich nur durch den organisatorischen Marathon von Bärbel und Gerd so einfach zu bewältigen war! Ohne ihr Vorwissen wären wir in vielen Situationen doch ganz schön in die Bredouille geraten, da wir (außer noch Ueli) doch etwas schlecht organisiert und uneingelesen zu unserem Trip starteten.
Dennoch haben wir auf der Reise viel für uns und unsere Zukunft gelernt und gesehen und können jedem eine solche Erfahrung nur wärmstens empfehlen.
Unser Fazit: Die Reise war die Strapazen allemal Wert und ihr solltet, solange politisch noch möglich, euch auch mal an so was versuchen!!!!
P.S.: Beim Auto ging zwar viel kaputt, aber man muss einfach sagen, dass die Chinesen Weltmeister der Autoreparatur sind!! Hut ab!
|
Was? |
Bewertung Nissan-Team |
Bewertung Toyota-Team |
|
Bestes Reiseland |
China |
Ukraine |
|
Schlechtestes ... |
Kasachstan |
Kasachstan |
|
Schlechteste Strasse |
Aktöbe Atyrau, Kasachstan |
Aktöbe Atyrau, Kasachstan |
|
Billigster Diesel |
0,21 €: Temirtau, Kasachstan |
0,21 €: Temirtau, Kasachstan |
|
Teuerster Diesel |
1,09 €: Ulm-Ost, BRD |
1,09 €: Ulm-Ost, BRD |
|
Bestes Hotel |
Xinjiang Grandhotel Urumqi, China |
Xinjiang Grandhotel Urumqi, China |
|
Schlechtestes ... |
Aralsk, Kasachstan |
Aralsk, Kasachstan |
|
Beste Privatunterkunft |
Bishkek, Kirgistan |
Bishkek, Kirgistan |
|
Schlechteste ... |
Markakol, Kasachstan |
Museumsterrasse, Markakol |
|
Bestes Bett |
Versch. Hotels in China |
Versch. Hotels in China |
|
Schlechtestes ... |
Majmyr, Kasachstan |
Museumsterrasse, Markakol |
|
Bester lokaler Touroperator |
Zhenja & Ljuda, Zhabagly, Kasachstan |
Zhenja & Ljuda, Zhabagly, Kasachstan |
|
Schlechtester ... |
Ecosystem,Öskemen, Kasachstan |
Ecosystem, Öskemen, Kasachstan |
|
Nettester lokaler Führer |
Mischa in Zhabagly, Kasachstan |
Mischa in Zhabagly, Kasachstan |
|
Schlechtester ... |
Mischa in Öskemen, Kasachstan |
Mischa in Öskemen, Kasachstan |
|
Bestes Einzelessen |
Red Lobster, Odessa, Ukraine |
Urumqi, mit Mr. Song |
|
Schlechtestes ... |
Kamjanec Podilsky, West-Ukraine |
Schaschlik, hinter Nischni Novgorod |
|
Bestes Essen allgemein |
China |
China |
|
Schlechtestes ... |
Kasachstan |
Kasachstan |
|
Touristischer Höhepunkt |
Tibet. Klosterstadt Labrang, China |
Pferdetrip im Altai, KasachstanJ |
|
Touristischer Tiefpunkt |
Dunhuang Grotten, China |
Moonlake, Dunhuang, China |
|
Eindruckvollste Landschaft |
Zentrales Qaidam-Becken, China |
Flaming Mountains + Taklamakan, China |
|
Langweiligste Landschaft |
West-Kasachstan |
West-Kasachstan |
|
Schönster Einzeleindruck |
Bäume in der Taklamakan, China |
Verschneite Getreidegarben im Gansu Korridor, China |
|
Schlimmster ... |
Temirtau, Kasachstan |
Temirtau, Kasachstan |
|
Einfachste Einreise* |
Von China nach Kirgistan, kirgisische Seite |
Von China nach Kirgistan, kirgisische Seite |
|
Schlimmste ... |
Von Russland nach Kasachstan, kasachische Seite |
Von Russland nach Kasachstan, kasachische Seite |
|
Hübscheste Mädchen |
Wir enthalten uns der Stimme |
Ob blond, ob braun, wir lieben alle Fraun!!!!J |
* außerhalb der Wertung, da ohne eigenes Fahrzeug: Evas und Clemens’ Grenzübertritt von Kirgistan nach Kasachstan 5 Minuten.