Bericht vom 15.09.2004



Urumqi, 15. September 2004

Ohne Probleme haben wir am 13. den Weg aus Almaty heraus gefunden – hinein war’s schwieriger - , allerdings den Weg über die Dörfer, was etwas langsamer war. Dann kam die erste Wüste sehr plötzlich, und erst am Fluß Ili gabs wieder grün, eine sehr fruchtbare Flussoase mit viel Obst am Straßenrand.

Die Grenze: In Kasachstan das übliche Trauerspiel! Schon zwei Kilometer vor der Grenze war eine Militärsperre, nur zum Abkassieren. Die Begründung für den Halt war eine zweistündige Essenspause der Grenzer, um die abzukürzen wurden pro Auto 500 Tenge, ca. 4 $, verlangt. Nach 40 Minuten Warten hat Gerd versucht, einen Durchbruch zu erzielen, indem er nach dem Namen des Soldaten gefragt hat, der die 500 Tenge verlangt hat. Darauf war die Essenspause plötzlich beendet und wir durften zum Zoll fahren. Die Beamten waren diesmal zwar netter und es wurden auch keine neuen Trinkgeldforderungen gestellt, aber es dauerte, obwohl außer uns nur Busverkehr war. Nach zwei Stunden endlich in China! Gott wie preußisch!! Und dazu, was für uns neu war, zuvorkommend, freundlich und des Englischen mächtig! Der Schweizer Pass von Ueli schien allerdings an dieser Grenze der erste seiner Art gewesen zu sein, jeder wollte ihn sehen. Wir wurden von Mr. Lee, unserem Führer von CENTRAL ASIA EXPEDITIONS aus Urumqi abgeholt. Er hatte von den neuen Nummernschildern über Fahrzeugpapiere und chinesischen Führerschein alles dabei, nach eineinhalb Stunden waren wir bei herrlichem Wetter auf chinesischen Strassen unterwegs. Unglaublicher Wechsel in der Landwirtschaft, alles bis zum letzten Fleckchen ist bebaut! Kilometerweise wurden rechts und links der Straße Mais und Sonnenblumenkerne getrocknet. Es ging gleich hoch zu einem See auf 2019 m Höhe, dem Sayram See, wo wir ganz einfach übernachteten und die erste leckere kasachisch/chinesiche Mahlzeit bekamen.

Nach eiskalter Nacht ein Frühstück im Yurtenrestaurant mit Reissuppe und Spiegelei, dann ging’s erst über eine äußerst gute Straße Richtung Urumqi durch die Steppe. Dann sollte eigentlich Autobahn kommen, die aber leider erst 2005 befahrbar ist: Wir quälten uns 200 km durch Baustellen. Dann fing auch noch ein hier sehr seltener Regen an, der uns bis Urumqi, der Hauptstadt der Provinz Sinkiang mit 1,7 Millionen Einwohnern begleitete. Das beste Hotel der Stadt wartete auf uns (russische Kat 10*, kasachisch mindestens 15*)! Es war wie im Paradies. Sogar ein Werkstattmeister stand schon in der Lobby, um unsere Fahrzeuge zu inspizieren, und gleich gings in die Werkstatt. Zum Abend waren wir von Mr. Song von CENTRAL ASIA EXPEDITION zu einem köstlichen chinesischen Essen eingeladen, selbst ein trockener roter 2002er Lou Lan stand auf dem Tisch. Das bei weitem beste Essen seit der Abfahrt!

Heute haben wir, wieder bei wolkenlosem Himmel und durch den Regen vom Vortag frischer Luft, den Tag in er Stadt verbummelt. Alte Reste dieses Zentrums von chinesischen Warlords und der russischen Weißen Armee waren nicht mehr zu entdecken, dafür eine Skyline wie in Franfurt. Urumqi ist eine ganz chinesische Großstadt. Immerhin gibt’s noch einen großen Uigurenmarkt, dazu auch völlig zugeschleierte Frauen und viel uigurisch – türkisches Essen und Sprache.

 

(BA, ES)


Zurück