Bericht vom 04.09.2004



Öskemen / Kasachstan, 04. September 2004

Doch noch eine Nachricht, bevor wir ins Gebirge gehen: In Öskemen vor dem Altai sind die Verhältnisse besser als gedacht und es war leicht, ein Internetcafé zu finden. Aber der Reihe nach: Vorletzte Nacht in Temirtau: Zu spät haben wir gemerkt, dass der Name „Eisenberg“ bedeutet, und eine zerbröselnde Stadt auf einem stinkenden Schrotthaufen ist es auch – good bye Lenin! Nachdem wir den dunklen Schlund eines Treppenhauses überwunden hatten, erwartete uns allerdings hinter einer eisernen Tür ein freundliches Zuhause. Der erhoffte Genuss von selbstgemachtem Wein zerplatzte aber leider schon vor dem Haus, das edle Gesöff wässerte die Schlackenhalde, auf dem der Plattenbau stand. Ein typisch russisches Mahl mit entsprechend Wodka, dann ein paar Stunden Schlaf und schon ging es wieder auf Achse, denn wir mussten wider Erwarten der Straßenverhältnisse wegen 200 km zurück, der ganze Abstecher also umsonst (wenn man nicht Industrieruinenfreak ist). Victor führte uns von halb sechs bis halb sieben durch Nacht und Nebel über Stock und Stein bis zur Hauptstrasse nach Pavlodar. Dann ging es doch ziemlich schnell und reibungslos, am ehemaligen Atomtestgelände in Semipalatinsk vorbei – leider reichte die Zeit nicht für einen Besuch im Anatomischen Museum – bis Öskemen: Klasse Wohnverhältnisse im hiesigen Sanatorium, in dem gerade die Teilnehmerinnen der „Miss Kasachstan“ – Wahl versammelt waren. Nur Ueli und Gerd durften die flammenden Blicke erwidern,  Ueli hatte als einziger ein Einzelzimmer (Detailfragen an waldmaa@hotmail.com). Die Leute von ECOSYSTEM, die uns im Altai betreuen wollen, sind anscheinend ziemlich kompetent, wir hatten einen ganz stressfreien Tag mit Ölwechsel, Unterhosenwaschen, Biertesten, ach ja, und Felsbildern. In bizarrer Landschaft mit plattigen Granitformationen gab’s neben Näpfchensteinen gepickte und gemalte Bilder von Hirschen und Pferden, sowie seltsame Zeichen, die zu allerlei Interpretationen verführen. Ein kasachisches Essen mit Pferdefleisch zum Abend, und jetzt sitzen wir in unserem Zimmer beim Bier und schreiben diesen Bericht.


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