
Jekaterinburg, 31. August 2004
Gestern war nochmals so ein Tag mit über 1000 km Landstrasse, dazu zwei Stunden Zeitverschiebung weniger Zeit, um die Strecke zurückzulegen. Unsere Ankunft in Jekaterinburg, der Stadt, wo die Zarenfamilie liquidiert wurde, war spät in der Nacht. Trotzdem gab’s noch Schaschlik und Mayonnaisensalat und Hering und BALTIKA No. 8 Bier. Das Hotel ist so ein Kasten, in dem Alles, besonders die Rosshaarmatratzen, gewöhnungsbedürftig ist.
Toller Ausflug heute nach Nevjansk, wo ein Herr namens Demidoff um 1700 einen Eisengruben Staat-im-Staat aufgezogen hat: Da seine Gruben so wahnsinnig ergiebig waren, seine Arbeiter die 70 Stunden Woche hatten und Zar Peter weit weg in Petersburg erst spät drauf gekommen ist, Einkommenssteuer einzutreiben, ist dieser Herr mit Exporten von Eisen so reich geworden, dass er einen schönen Turm aus Ziegel und Eisen errichtet hat und in England bei Richard Phelps das größte je gebaute Glockenspiel orderte: Das tuts noch immer und spielt alle drei Stunden eine schöne Melodey! Das Dach des Vorbaus ist übrigens ganz mit Titanplatten gedeckt, die Fußböden bestehen aus 80 x 80 Eisenplatten.
Oxana vom Ekaterinburg Guide Center hat uns geführt, so gab’s ziemliche Einblicke in das neue Russland. Was sehr nachahmenswert ist (zur Aufbesserung unserer Staatfinanzen): Man kauft für 20.000 Rubel (600 Euro) einen Schein, der besagt, dass man bei der Polizei arbeitet dann gibt’s keine Protokolle fürs Schnellfahren etc. mehr Bärbel hat’s natürlich erwischt, durchgezogene Linie überfahren, sie konnte sich zwischen mehrtägiger Untersuchungshaft oder 20 Euro in bar ohne Quittung entscheiden...
Morgen ist wieder Autostress-Tag bis Kasachstan, die nächsten Nachrichten werden also etwas Zeit brauchen.