
Astrachan, 24. Oktober 2004
Am 20. Oktober ließ sich die Weiterfahrt ganz gut an: Wir kamen, trotz ausführlicher Besichtigung des großartigen Mausoleums des Hodscha Ahmet Jassawi in Turkistan aus dem 14. Jhdt., gebaut auf Befehl von Timur Lenk, und einem Halt zwischen dem Müll von Baikonur, mit Einbruch der Dunkelheit in Aralsk an. Kein Ort für einen längeren Aufenthalt! Kalter Wind, dunkle Wolken, sogar Regentropfen, kein See mehr, das Hotel das schlechteste auf der ganzen Reise.
Die Fahrt von Aralsk bis nach Atyrau am Kaspischen Meer am 21. und 22. Oktober werden wir allerdings nie vergessen. Wir wussten ja, dass der erste Teil schlecht sein sollte, aber die ganze Strecke war ein Martyrium für Wagen und Fahrer. Für die rund 1000 km reine Fahrzeit brauchten wir über 30 Stunden reine Fahrt! Nachahmung nicht empfohlen wir trafen auf der Strecke von Aktöbe nach Makat auch höchstens 20 Wagen und ca. 300 Kamele. Für Uneinsichtige der Straßenbericht:
Von Aralsk nach Aktöbe erst 113 gute km, dann 230 km meist Sandpiste neben der unpassierbaren Strasse, dann 60 km guter Asphalt bis Karabulak; danach weitere 30 km gut, gefolgt von 70 km Piste, die restliche Strecke bis Aktöbe war ok.
Von Aktöbe bis Atyrau 90 km schlechter Asphalt, dann 350 km hundsmiserable Strecke bis Makat die letzten 20 km haben uns über eine Stunde gekostet , ab dort ist die Strasse wegen der neuen Route über Bokhara ok bis Atyrau. Wir kamen ziemlich fertig da an und haben Zimmer im erstbesten, völlig überteuerten Hotel Kaspi genommen.
Die Wagen haben erstaunlich gut gehalten, nur am Nissan hat sich die Batterie losgerissen und das Zündkabel durchgetrennt: Moritz und Ueli haben den Schaden bei eiskaltem Sturmwetter repariert. Es war übrigen während der ganzen Fahrt äußerst schlechtes Wetter, ein extremer Nord-Westwind mit Regen, Temperaturen zwischen 1° und 8° C.
Am 23. Oktober sind wir früh raus, wir wollten bis Veshenskaya hinter Volgograd zum Sholokhov Museum kommen. Pustekuchen! An der kasachischen Grenze bildete sich unter dem Toyota eine Rostwasserpfütze Kühler kaputt! Nach den dummen, schikanösen und teuren Grenzformalitäten auf der russischen Seite (3,5 Std. !) kam also unsere Abschleppstange zum ersten Einsatz und der Toyota wurde vom Nissan die 70 km nach Astrachan, einschließlich Wolgafähre, durch Sturmböen und Regenschauer in eine Werkstatt geschleppt. Wochenende! Reparatur erst am Montag möglich! Uns blieb nichts anderes übrig, als hier zu warten und das Programm umzuschmeißen: Kein Besuch bei Sascha im Sholokhov Museum, auf das wir uns so gefreut hatten! Am Abend wollten wir wenigstens gut Essen, verließen uns auf den Lonely Planet und gingen in den Podkova Grill. Was für eine Abzockerei für reiche Russen! Wasser gab’s nur in kleinen Portionen von Evian und Perrier (4 €), Bier nur aus der CR (4,5 €) oder der BRD (7 €), und so ging’s weiter. Aber die anderen Gäste ließen’s sich bei Champagner und Fisch- und Käsehäppchen gut gehen, Geld oder Preis/Leistungsverhältnis spielt für manche hier gar keine Rolle.
Das Wetter spielte heute mit, heiter bis wolkig, und wir haben das alte Zentrum von Astrachan ausführlich erlaufen, mit Häusern aus Holz oder Ziegeln von zaristischem Flair im Verfallszustand. Im Kreml haben sie schon eine Kirche plus Turm renoviert, zum Sonntagsgottesdienst läuteten die Glocken wohl 15 Minuten, von Hand angeschlagen: Die haben einen kräftigen Glöckner! Zum Abend soll es den berühmten Astrachan Kaviar in unserem Hotel Lotos, direkt an der Wolga, geben...
(GA)