
Zhabagly, 19. Oktober 2004
Am 15. Oktober sollte uns unser Weg von Kashgar über den Torugart Pass nach Kirgistan führen. Die Zollabfertigung lag 100 km vor der eigentlichen Grenze, dem Pass. Nach einer Stunde Wartezeit öffnete die Zollstation verspätet. Der nette Zollbeamte schaffte es dann noch an unserem letzten Tag in China, ein Stück vom wahren Gesicht dieses Landes hinter der nach außen freundlichen Maske zu zeigen. Indem er darauf hinwies, dass die Chinakarte in unserem Baedecker-Reiseführer illegal sei, da auf ihr Taiwan als eigenes Land abgebildet war, bewies er die volle Funktionstüchtigkeit der chinesischen Propagandamaschinerie. Als Lösung des Problems blieb uns nur das Herausreißen der Seite, kommentiert von der Aussage: „... you must undelstand I am ploud of my countly!“. Das weitere Schicksal der Seite blieb im Dunkeln. Danach konnten wir ohne weitere Umstände die letzten 100 km zur Passhöhe, der eine letzte Polizeikontrolle vorgelagert war, fortsetzen und fuhren nach Kirgistan ein.
Nach der schnellsten Grenzkontrolle im ganzen Ostblock fuhren wir im immer stärker werdenden Schneegestöber durch eine Hochebene, bis es beim Toyota wieder mal zischte und die rechte Hinterfelge die Schotterpiste küsste. Die Kälte trieb uns zu einem schnellen Reifenwechsel (mit uns wird sogar Coulthard Weltmeister...).
Es war schon dunkel als wir Naryn erreichten und feststellten, dass unser angeblich reserviertes Hotel leider voll besetzt war. Von dort aus wurden wir in ein anderes Hotel geschickt.
Bei strahlendem Sonnenschein ging’s am nächsten Tag, nach dem der kaputte Reifen notdürftig repariert war, durch die schneebedeckten Berge Richtung Bishkek. Zum Mittag genehmigten wir uns in einer Jurtenraststätte ein paar Spieße, um uns für den kulturellen Teil des Tages zu stärken. Dieser lag 60 km vor Bishkek und bestand aus der alten Stadt Burana. Außer einem begehbaren Lehmziegelturm (Minarett) und Überresten eines Palastes (?) schmückten für die alte türkische Kultur typische Grabsteine mit Kopf, Schwert und Trinkglas das Areal.
Mit der untergehenden Sonne erreichten wir Bishkek und wurden dort von Olga und Valeri in unsere sehr komfortable Pension namens Villa Real gebracht.
Gemeinsam beschlossen wir den Abend im Cafe Ozean wir sind ja hier voll am Strand... mit einem super Essen.
Da Clemens den Tag wegen mangelnder Körperfunktionen, verursacht durch Pelzwodka, nach einem Frühstücksversuch abbrechen musste, machten wir uns am 17. ohne ihn auf Reifenjagd. Auf dem größten Markt von Mittelasien wurden wir nach längerem Suchen fündig. Nachdem wir unserem Toyota seine neuen Schühchen angezogen hatten ging’s für einen Spaziergang in die Berge. Die frische Luft und der Schnee tat allen gut. Am Abend verabschiedeten wir uns von Eva und Clemens, welche aus Berufs- und Studiumsgründen zurück nach Deutschland fliegen mussten.
Gestern morgen verließen wir Bishkek und fuhren gen Westen. Nach guten 100 km erreichten wir die kasachische Grenze, welche nach man höre und staune einer Stunde und nur einer Schmiergeldforderung passiert war! Den Bergen entlang fuhren wir nach Zhabagly, einem kleinem Bauerndorf, und bezogen gute Unterkunft im einzigen dreistöckigen Haus des Ortes.
Als wir heute morgen bei Minustemperaturen zu unserem Ausflug in den Aksu Canyon Nationalpark aufbrechen wollten, streikte der Motor vom Nissan. Der Toyota bockte auch zum erstenmal beim anlassen, schnurrte dann aber wieder wie ein Kätzchen. Der Grund für diese Probleme war anscheinend das schlechte kirgisische Diesel. Gerds Dieselfilter wurde mit heißem Wasser überbrüht und das Problem war fürs erste behoben. Also fuhren wir 17 Kilometer über eine holprige Piste in die Berge bis an den Rand des Canyons. Dieser liegt im Nationalpark und ist bis zu einem Kilometer breit und 400 Metern tief. Zu Fuß machten wir uns dann auf den Abstieg zum Fluss Aksu. Unterwegs erklärte uns unser einheimischer Führer Mischa (nicht der aus Öskemen!) die Flora und Fauna des Gebietes und machte uns mit einer endemischen Wildzwiebelart bekannt. Auf dem Weg hinab kosteten wir auch von den köstlichen Wildäpfeln, die an den Hängen wuchsen, was auch schon ein Braunbär einige Stunden vor uns (ersichtlich an seinem Apfelmusschiss!) getan hatte. Bärbel und Gerd blieben auf dem halben Weg zurück und so konnten nur Ueli und Moritz vom süßen, glasklaren Wasser des Aksu kosten. Beim Aufstieg kamen wir dann alle mächtig ins schwitzen und wir merkten mal wieder, dass sieben Wochen im Auto sitzen nun mal kein Fitnesstraining sind. Anschließend fuhren wir zu Nursultans Aussichtspavillon, wo Gerd versuchte mit seinem Auto Purzelbäume zu schlagen zum Glück war der Graben in der Strasse nicht tief genug, um das zu ermöglichen!
Mit vollen Mägen ging’s wieder zurück ins Tal, und bei Zhenja & Lyuda´s Boarding House (Name unserer Unterkunft) angekommen merkten wir, dass einem unserer Hinterreifen mal wieder die Luft ausging. So kam erneut das Reifenwechselteam Toyota zum Zug und verbesserte seine Bestzeit (wenn sie von Sommer auf Winterbereifung in 5 Minuten wechseln wollen, können sie uns unter folgender Nummer mieten: 0179 6950579 !). Also mussten wir zum x-ten Mal zum Reifenflicker, der unserem Reifen einen schönen langen Nagel zog.
Zurück im Boarding House gab’s noch ein deftiges Abendessen mit vier Gängen und dann legten wir uns zur Ruhe, eingedenk verschiedener Informationen, dass der Rest der Strecke nach Russland mit wenigen Ausnahmen nur aus Schlaglöchern bestehen soll. Warum wir nicht die neue Strasse über Taschkent und Bokhara direkt nach Astrachan nehmen würden wie alle Lastwagen? Da sind uns leider Grenzen gesetzt...