
Kashgar, 14.Oktober 2004
Nach einem späten Frühstück und einer morgendlichen Internetsession zum Verschicken des Tagebuchs ging´s am 12. Oktober gegen 11.00 Uhr los in Richtung Kashgar. Auf der Fahrt gab es einige nette Oasenstädte mit uigurischem Gewimmel, einen Falkner mit Adler auf seinem Fahrrad und Kamelkarren zu sehen; der Grossteil der Strecke führte durch die Wüste. Das einzige Erlebnis war ein recht großer Stein, der uns ein schönes Splittermuster in unsere Frontscheibe schlug. Wir klebten die beschädigte Seite behelfsmäßig mit Gaffa ab und weiter ging die Fahrt. 60 km vor Kashgar machten wir noch einen kurzen Stop in der Messerstadt Xinjiangs um uns mit Hieb- und Stichwaffen einzudecken. In Kashgar angekommen wollte man uns erst mal im absoluten Billigtrakt des Hotels unterbringen, worauf Gerd aber erfolgreich protestierte. So bezogen wir unsere schicken Zimmer mit Sicht auf die Altstadt. Anschließend machten Gerd, Ueli, Führer Lee und Moritz sich noch auf den Weg zu einer Werkstatt, um allfällige Lackschäden zu beseitigen und die Scheibe austauschen zu lassen. Zudem bekamen beide Autos noch einen Ölwechsel, welcher beim Nissan, zwar mit einigen Problemen, sofort durchgeführt wurde. Wir schlossen den Tag mit einem Essen ab, was das Prädikat: „schlecht aber wenig!“ verdiente, und begaben uns zur Ruhe.
Da die Xinjiang Zeit zwei Stunden hinter der Peking-Zeit läuft, nach der unsere Uhr tickt, konnten wir gestern wiederum ausschlafen. Nach dem Frühstück nahmen wir zwei Taxis und begannen Kashgar zu erkunden. Der erste Stopp war ein Mausoleum, das zu Ehren von Apak Hodscha, einem islamischen Missionar, gebaut wurde. Es befanden sich insgesamt 58 Gräber in der Grabhalle. Die Fassaden des Mausoleums waren mit wunderbaren Plättchen in verschieden Farben und Mustern verziert. Es ließen sich sogar abgeänderte islamische Fomen entdecken, welche einen buddhistischen Touch erhielten. Aufsehen erregte auch ein Bild, auf dem eine hübsche junge Frau, ganz im mittelalterlichen Stile mit Rüstung gekleidet, namens „Wohlriechende Konkubine“ zu sehen war. Später lasen wir, dass es sich dabei um die Groß-Groß-Nichte Apak Hodschas handelte, die es in Peking zur kaiserlichen Oberbeischläferin gebracht hatte.
Als zweites wartete einmal mehr ein Basar auf uns. Diesmal aber ein neuer, der im Vergleich zu dem in Hotian steril wirkte. Danach führte uns unser Weg in einen der übriggebliebenen alten Teile Kashgars, welche durch den von der Regierung geförderten Abriss immer kleiner werden. Die dort befindliche Handwerksstrasse konnte mehr Begeisterung in uns wecken: Eine Strasse, wo sich Werkstätte an Werkstätte reihte und all die produzierten Stücke gleich feilgeboten wurden. Es wurde alles mögliche dargeboten von Kupfergefäßen über Messer, Baumwollprodukte, Backutensilien bis hin zu Instrumenten. Zur Zwischenverpflegung gönnten wir uns Spieße mit Fleisch, Leber und Fett vom Schaf, dazu Fladenbrot und Tomaten mit Chilli und Zwiebeln tja, da hilft auch kein TicTac mehr... in einem kleinen, kruschteligen Geschäft wurden uns alte Korane quasi unter dem Tisch angeboten. Zur Erleichterung unseres Führers beließen wir es aber beim Begutachten und kauften keines dieser wohl illegal angebotenen, extrem wertvollen Exemplare.
In Kashgar befindet sich die für den Islam in China wichtigste Moschee, die außer ihrer Wichtigkeit aber nichts besonderes zu bieten hat.
Am anderen Ende der Handwerksstrasse schauten wir in der Teppichfabrik den Frauen beim Knüpfen zu. Ein kleiner Teppich (ca. 50 x 40 cm) benötigt zwei Wochen und kostet 200 Yuan (= 20 €)!
Nach ein weinig Entspannung im Hotel luden uns Gerd und Bärbel in ein chinesisches Restaurant ein, wo wir uns alle die Bäuche voll schlugen. Zurück im Hotel gab die Stromleitung des ganzen Viertels wieder mal den Geist auf und wir hatten einen Grund mehr zu Bett zu gehen.
Der heutige Tag war zum Ausruhen und Entspannen gedacht, so frühstückten wir spät und brachen dann zu einem Stadtbummel auf. Moritz und Ueli ließen sich eine Blechkiste für den sicheren Rücktransport ihrer erworbenen „Schätze“ anfertigen. Bärbel, Gerd und Eva besahen sich noch mal das Angebot in den Ladengassen. Clemens blieb im Hotel und ordnete seine Sachen für die Heimreise. Der Nachmittag wurde allgemein zum Relaxen genutzt, abgesehen davon, dass Moritz, Gerd und Lee das Auto von der Reparatur abholten. Am Abend genossen wir dann ein letztes mal die gute chinesische Küche und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
(TC)