Bericht vom 08.10.2004



Kuqa, 08.Oktober 2004

Auf der Fahrt nach Turfan am 05. Oktober führte unser Weg wie schon die letzten Tage durch die nun mit Bergen bestückte Wüste Gobi und ein paar Oasen. Bevor wir nach 200 Kilometern von der Hauptstrasse abbogen um ein neolithisches Dorf zu suchen, schauten wir uns noch einen gigantischen chinesischen Friedhof an. Da wir außer einem Foto aus einer Zeitschrift keine Lagebeschreibung hatten, verlief unsere Suche im wahrsten Sinne im Sand. Also gingen wir halt so ein paar Steine suchen und machten uns wieder auf den Weg gen Westen. Nach weiteren reibungslosen 200 Kilometern stellten wir fest, dass uns noch genug Zeit blieb für zwei am nächsten Tag vorgesehene Besichtigungspunkte. So besuchten wir zuerst die in den „Flaming Mountains“ liegenden Beziklik Höhlen, welche vom 6. bis ins 15. Jahrhundert in eine Flussterrasse eingegraben und dann ausgemalt wurden. Von deutschen und anderen Forschern geplündert, von muslimischen Horden geschändet und durch die chinesische Kulturrevolution fast vollends zerstört war von der einstigen Schönheit der Fresken und Statuen nur noch wenig zu sehen. Die schönsten Buddhas und Fresken können heute im Museum zu Berlin-Dahlem bewundert werden. Dennoch war schon die herrliche Lage der Höhlen diesen Abstecher wert. Am Fuße eines schattigen Tales liegend, welches von einem grün gesäumten Fluss durchzogen wird, werden die Höhlen zu beiden Seiten von in der Sonne rot glühenden Bergen umschlossen. Alles in allem ein überwältigender Anblick,der dieses buddhistische Heiligtum umgibt.

Unsere nächste Kulturpause lag bereits im Turfaner Becken und war das altertümliche Gaochang (Karakhoja), eine Stadt, deren Gründung auf das erste Jahrhundert v. Chr. zurückführt. Zu Anfang noch eine Garnisonsstadt wurde sie im vierten Jahrhundert Verwaltungssitz der neuen Region Gaochang. Bis ins 13. Jahrhundert wechselte sie mehrmals zwischen Präfektur und Königssitz und wurde schließlich im Krieg niedergebrannt. Heute kann man sich innerhalb der 1.5 auf 1.5 Kilometer langen Stadtmauer fast frei durch die Ruinen bewegen. Ruinen einerseits, weil die sonnengetrockneten Lehmziegel über die Jahrhunderte stark verwittert sind, anderseits die Roten Garden der Kulturrevolution Teile der Stadt planierten, um Ackerland zu gewinnen. Das wichtigste Gebäude der Stadt war der buddhistische Tempel, welcher noch am besten erhalten ist.

Von dort aus ging es per Eselskarren zurück zum Haupttor, wo wir eine Melone kauften und dann die restlichen 40 km zum Hotel fuhren. Ein uigurisches Abendessen rundete den eindrucksvollen Tag ab.

Nach einem gemütlichen Frühstück am 6. mit der gestern gekauften Melone, die nicht hielt was sie versprach, ging es los. Wir setzten unser „Ruinenhopping“ mit dem Besuch der historischen Stadt Jiaohe (Yarkhoto), was Zusammenkunft zweier Flüsse bedeutet, fort. Diese liegt auf einem von Flusstälern umgebenen Plateau, welches den Bewohnern einst guten Schutz bot. In dieser Stadt wurden die Häuser größtenteils in die Sedimentschichten eingegraben, wodurch sie besser erhalten und gut sichtbar sind. Eine für China einzigartige indische Stupa stand im Zentrum eines 101 Exemplare zählenden Stupafeldes.

Ursprünglich eine Hunnenstadt wurde Jiaohe nach einem langen Belagerungskrieg von den Chinesen erobert. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im sechsten und siebten Jahrhundert während der Tang-Dynastie. Die zerstörerischen Eroberungszüge der Mongolen haben auch Jiaohe heimgesucht. Die Truppen von Dschingis Kahn zerstörten die Stadt. Heute zählen die Ruinen zum UNESCO Weltkulturerbe, womit für den Erhalt der Ruinen bessere Möglichkeiten bestehen.

Nun drehten wir das Zeitrad etwas vor und landeten im Jahre 1777 beim Sugong Turm, auch Emin Minarett genannt, am Ost Ende von Turfan. Das Minarett hat eine Höhe von 37 m und war aus in verschiedenen Mustern angelegten Lehmziegelsteinen gebaut. Rund um die Moschee waren ausgedehnte Traubenfelder mit Trocknungshäusern angelegt. Wir konnten eines dieser Traubenfelder inklusive Trocknungshaus besuchen und erhielten so einen Einblick in die Rosinenproduktion: Nach der Ernte werden die Trauben über einem einfachen Lehmofen geschwefelt und anschließend in den Trocknungshäusern aufgehängt.

Nach dem Mittagessen warfen wir uns ins Getümmel auf dem Bazar. Dieser war wieder mal ein gutes Beispiel, wie unterschiedlich China doch sein kann. Mit seinen orientalischen Merkmalen untermauert er die Kultur der uigurischen autonomen Provinz Xinjiang.

Für das Abendessen gingen Jung und Alt ihre eigenen Wege. Wir trafen uns jedoch danach im Hotel, um noch einige Tropfen der hiesigen Weine vor dem zu Bett gehen zu genießen.

Der 7. Oktober Tag war für die Bewältigung der Strecke zwischen Turfan und Kuqa gedacht. Also ging’s von einer Wüste in die nächste, nämlich von der Gobi in die Taklamakan oder von Stein zu Sand. Unterwegs hielten wir in Korla an, um unsere auf dem Hinweg zurückgelassenen Campingutensilien wieder einzupacken. Ansonsten: außer Straßenspesen nichts gewesen.

(TC)

Leider ist der Himmel heute morgen noch grau, ein Regengebiet soll sich im Norden über Urumqi befinden.  Ein weiteres Besuchsprogramm buddhistischer Grotten ist angesagt: Mit Taxis, um Fahrer und Autos zu schonen vor unserer Fahrt quer durch die Taklamakan morgen, ging’s erst durch bizarre Felsschluchten 60 km nach Nordwesten zu den Kizil-Grotten. Leider ist die am besten erhaltene Wandmalerei in Höhle Nr. 38 nur gegen weitere 10 € Extragebühr pro Person zu sehen! Überraschend frisch und mit vielen Details sind die Freskoreste hier, persisch-antike und indische Einflüsse sind unverkennbar. Trotz der ebenfalls starken Zerstörung ist der Eindruck doch wesentlich besser als in Beziklik!

Auf dem Rückweg musste dann die Asphaltstrasse verlassen werden, die Taxis pflügten sich durch dezimeterdicken Staub zu den Kezir-Grotten – gute Entscheidung, auf Nissan & Co für heute zu verzichten! Endlich keine Touristen weit und breit! Um so viel besser haben uns die Malereireste gefallen: Viele Details, besonders Szenen und Tiere, dazu Darstellungen der aus dem Museum Berlin-Dahlem bekannten „Ausländer“ in persisch-europäischen Trachten. Eine Grotte enthielt die Darstellungen von 16 Musikantinnen mit verschiedensten Instrumenten wie Harfe, Laute und Schalmei.

Vor der Fahrt zurück in die Oase Kuqa hielten wir noch zu einem Phototermin bei dem besterhaltenen Signalturm aus der Han Dynastie, jetzt schon bei strahlendem Sonnenschein.

(BA,GA)


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