
Dunhuang, 3. Oktober 2004
Herrlicher blauer Himmel der uns jetzt im Westen Chinas hoffentlich nicht mehrverlassen wird bei unsrer Abfahrt von Lanzhou in den Gansu oder Hexi Korridor am 1. Oktober, dem chinesischen Nationalfeiertag. Erst ging’s durch wüst erodierte Lössberge, dann in das breite Tal des Korridors, immer entlang am schnee- und gletscherbedeckten Qilian Gebirge. Der am Vortag gefallene Schnee verlieh der Landschaft besondere Reize. Auf dem letzten Teil bis Jiayuguan hatten wir zwar rechts von uns schon die Wüste Gobi, trotzdem fuhren wir fast unablässig durch Ackerland: Die Chinesen haben die Anbauflächen enorm ausgedehnt.
Wir hätten nicht gedacht, dass dermaßen viele Touristen (fast ausschließlich Chinesen!) sich die Denkmäler Jiayuguans ansehen würden: Das berühmte Fort war voller Besucher, es lag wohl an dem Feiertag, der mit einwöchigen Ferien verbunden ist. Und das trotz der für Chinesen verschiedene Preise für Ausländer und Einheimische gehören der Geschichte an horrenden Einrittspreise von 10 $! Wieder war bei den Bauten schwer zu unterscheiden, was alt, was halbneu und was gänzlich neu und der Phantasie entsprungen war. Mit Bogenschiessen von den Zinnen auf „Angreifer“-Puppen wurde extra Geld gemacht, ebenso mit einer Elektromobilverbindung vom Kassenhäuschen zum Eingangstor 400 m. Natürlich war für uns ein Besuch des „rekonstruierten“ Abschnitts der Großen Mauer obligatorisch: Das, was wir da betraten, war aber offensichtlich zu keiner Zeit in dieser Form da gewesen, ein Minimauer-ähnlicher Zugang den Berg hinauf zu isolierten Wachtürmen!
Der Nachmittag brachte uns unerwartet schnell über gute Strassen nach Dunhuang, wo wir als erstes die gerissene Befestigung des Dachgepäckträgers am Heck des Toyotas schweißen mussten: Da war fast keine Last drauf, es ist altes und schlechtes Material!
Nach dem Einchecken in ein gutes neues Hotel zogen wir sofort in die „Fressgasse“ zum Uiguren und es gab geröstetes vom Lamm und Rind bis zum Abwinken.
Wer Dunhuang wie wir vor 5 Jahren besucht hat, erlebt heute eine herbe Überraschung: Gestern verstopften 3.500 Besucher die Grotten 600 sind pro Tag erlaubt! Die Verantwortlichen denken nur an die 100 Yüan pro Person (1,3 $) und scheren sich einen Dreck um die Vorschriften. Da macht natürlich eine Besichtigung keinen Spaß mehr! Am dünenumlagerten Mondsichelsee geht’s zu wie auf der Sanddüne im Vergnügungspark Rust (wenn die eine hätten), überall Touristen zu Fuß, auf dem Kamel, im Bimmelbähnchen, im Jeep, mit Geländemotorrad oder die Piste hinunter auf Schiern oder dem Hintern. Hier sieht man den (ausländischen) Tourismus an der Seidenstrasse im endgültigen AUS! Moritz und Ueli haben heute trotz allem ihren Spaß auf einem Kamelritt in die Dünen gehabt... Um aber nochmals so ein menschenleeres Bild wie auf unserer Web-Eingangsseite zu machen, müsste wohl eine neue SARS Epidemie her oder ein missglückter Atomtest in der Gobi.
(GA)