
Xian, 27. September 2004
Am 25 September stand unsere letzte Fahrt in Richtung Osten mit dem Zielort Xian an. Die Strasse schlängelte sich durch grüne Hügel mit Terrassen und unzähligen verschiedenen Apfelbaumplantagen. Diese Plantagen lohnten sich für uns, denn es war gerade Erntezeit und so kamen wir in den Genuss von asiatischen Äpfeln.
80 km vor Xian stoppten wir. Der Grund dazu waren Königsgräber aus der Tang- Dynastie. Darunter auch das Grab von Li Si. Für alle, die die Geschichte „Jim Knopf und Lukas“ von Michael Ende nicht kennen: Jim Knopf und Lukas retten in einer abenteuerlichen Reise die Prinzessin Li Si aus den Klauen des weiblichen Drachen „Malzahn“. In der Realität hat das wohl nicht geklappt, denn sie wurde von ihrer Oma (die wohl ein richtiger Drachen war, hat auch ihrem Sohn das Lebenslicht ausgepustet) um die Ecke gebracht. Wer hätte gedacht, dass wir hier wieder auf die Prinzessin stoßen!
Wir besichtigten drei Gräber. Alle wurden nach dem selben Prinzip angelegt: Statuen links und rechts zeigten den Weg zum Grabeingang, welcher nach der Beerdigung geschlossen und getarnt wurde. Zwei Wachtürme standen in der Verlängerung zum Weg. Von diesen ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. Nach den Wachtürmen folgte der Grabeingang, allerdings nicht wie man annehmen sollte in der Flucht der beiden Türme, sondern irgendwo hinter den Türmen. Den Fluchtpunkt kannte womöglich nur der Grabarchitekt. Ein etwa 100 m langen Gang, der zuerst mit einer starken Neigung in den Untergrund führt, leitet zur Grabkammer. Der Gang ist immer nach dem selben Muster ausgeschmückt. Zuerst sind Fresken von Männern anzutreffen. Darauf folgen Nischen mit Ton und Porzellanfiguren und Gebrauchsgegenstände. Die erste Kammer ist dann mit Wandmalereien, die Frauen darstellen, ausgeschmückt und in der zweiten liegt der Sarg. Dieser ist aus Stein und von beträchtlicher Größe (ca. 3x4x2 m). Die Grabkammer weist einen einfachen Kuppelbau auf. An der Oberfläche über ihr befindet sich der Grabhügel.
Gute 20 km vor der eigentlichen Stadt begann dann auch schon die Agglomeration des über 9 Millionen Einwohner zählenden Xian (zum Vergleich: die gesamte Schweiz hat 7 Millionen). Eine solche Stadt hat natürlich auch die entsprechende Anzahl Autos auf der Strasse und dies sehr zur Freude von Moritz, der es liebt im dichtesten Verkehr immer den besten Weg zu suchen und auch mit allen Mitteln zu finden Moritz kam also voll auf seine Kosten!
Ankunft war schließlich im Hotel im Zentrum der Stadt am Glockenturm um 17.00 Uhr nach 32 Tagen und 15.228 km (fünfzehntausendzweihundertachtundzwanzig)!
Bis wir die Autos für einige Checks und Reparaturen in einer Werkstatt hatten, war es wieder mal recht spät. Wir fanden aber doch noch ein gutes chinesisches Lokal, wo wir unseren Hunger stillen konnten.
Natürlich ließ es sich die Toyota Crew nicht nehmen, noch ein bisschen nach dem Moto „meet the locals“ auf die Gasse zu gehen. Schnell hatten wir drei Begleiterinnen, die uns irgendwelche chinesischen Songs beibringen wollten... wir starteten ein paar Versuche, doch es blieb für die Mädchen beim wollen. So zechten wir mit den Girlies, welche zusammen drei Schluck Bier nahmen, bis in die frühen Morgenstunden, was vor allem bei Clemens am nächsten Tag Spuren hinterlassen sollte.
Das Programm von unserem ersten vollen Tag in Xian gestaltete sich relativ einfach.
Am Morgen besuchten wir die alte große Moschee in Xian, welche im chinesischen Stil glänzte und einen wunderbaren Garten vor der Gebetshalle hat. Die Moschee befindet sich am Rande eines Basars, den wir danach wild feilschend durchstreiften und um einige Kleinode erleichterten. Als Stärkung vertilgten wir 130 Fleischspieße! Das heißt, circa 22 Spieße pro Person, die Verteilung fiel natürlich anders aus. Nun war Clemens noch mehr geschwächt und ging schlafen. Wir anderen verbrachten den Nachmittag mit weiterem shoppen in den unzähligen Geschäften. Das Abendprogramm gestaltete sich gediegen, Bärbel, Eva, Gerd und Moritz gingen zum „Familienessen“, die anderen zogen mit den Studentinnen vom letzten Abend noch etwas um die Blöcke und gingen Hotpot essen.
Um 8.15 Uhr stand wie geplant unser lokaler Führer samt Minibus vor der Tür, um uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in und um Xian zu zeigen. Zunächst ging’s über einen Zickzackkurs, drei verschiedene Stadttore wurden berührt, zur berühmten Terrakotta Armee 30 Kilometer östlich der Stadt. Bei Bärbel, Gerd und Eva machte sich dann erst mal Verwirrung breit, weil sie einen Grossteil des Areals nicht mehr wiedererkannten. Na ja, fünf Jahre sind eine lange Zeit, vor allem im neuen China! Also warfen wir uns in den Kampf, gegen Touristen jeglicher Nationen, um zwischen über 6000 Tonkriegern Fotos ohne amerikanische Shorts und Krampfadern zu schießen.
Zurzeit kann man in drei Hallen schon vorhandene Ausgrabungen betrachten wobei Areal Nr. 1 mit über 5000 Tonkriegern sowie Pferden und Überresten von Holzstreitwagen am eindrücklichsten war (etwa 1000 davon sind komplett zu betrachten). Dort sind die Krieger in mehreren Kompartimenten dicht in Reih und Glied gen Osten schauend postiert, das Grab des Kaisers Qin Shi Huangdi (247 v. Chr.-202 v. Chr.) im Rücken. Areal Nr. 2 ähnelt Nr. 1, nur das dort bislang erst kleine Teile der Armee freigelegt sind. Das dritte Areal war mit Offizieren und Soldaten höheren Ranges bestückt, weshalb großzügiger mit dem Platz als in den zwei anderen Arealen umgegangen wurde. Das eigentliche Grab liegt in einem 46 m hohen, künstlich aufgeschütteten Hügel, welcher aller Voraußicht nach in allen vier Himmelsrichtungen von solchen Tonarmeen umgeben ist. Bis heute wurden aber nur die im Osten des Grabes liegenden Areale teilweise ausgegraben, in welchen ca. 7600 Figuren vermutet werden. Der Kaiser ließ dieses gigantische Werk von über 700 000 Zwangsarbeitern, Künstlern und Architekten in nur acht Jahren errichten.
Ein weiterer Höhepunkt waren bronzene Nachbauten (aus damaliger Zeit, Größe ca. 1:2) der kaiserlichen Kutsche und eines Streitwagens.
Anschließend wurden wir von unserem wie ein Wasserfall brabbelnder, aber sehr kompetenten Führer zu den Huaqing Thermalquellen geleitet, welche seit über 3000 Jahren bekannt sind und genutzt werden. Im 8. Jhd. wurden von Kaiser Li Shen (Tang-Dynastie) ein Teich, Pavillons, Hallen, Terrassen und die ersten Bäder erbaut. Seit den fünfziger Jahren in ein Museum umgewandelt, wandelten in diesen Bädern zahlreiche Staatsmänner wie Chirac (in jungen Jahren), der gute Onkel Ho sowie unser ehemaliger Bundespräsident von Weizsäcker und natürlich die gesamte chinesisch - kommunistische Bagage.
Zurück in Xian gabs in einem recht noblen Tourischuppen ein ordentliches, aber sehr westlich angehauchtes all you can eat Buffet. Danach besuchten wir noch das National Museum, welches einen Interessanten Überblick der verschiedenen Dynastien zeigte, einen aber nicht unbedingt vom Hocker riss. Nachdem wir uns von unserem lokalen Führer verabschiedet hatten, trennten sich unsere Wege in verschiedene Kaufhäuser und Supermärkte. Am Abend nahmen Clemens, Gerd und Moritz noch unsere von der Werkstatt angelieferten Autos (außen wie innen frisch geputzt) in Empfang, während Ueli mit den Girls mal wieder den Specht hacken ließ!! Beim Terrano stellte sich dann leider heraus, dass die Burschen von der Werkstatt den Boliden ab statt aufgebockt hatten (die vorderen Stossdämpfer) und wir so morgen leider noch mal zur Werkstatt müssen.
(TC)