
Ping Liang, 24. September 2004
Kumbum, ein Name, der Assoziationen mit Meditationstrommel wecken könnte, aber doch mehr mit BumBumBoris zu tun hat: Show! Da haben die Chinesen vollständig in ihrem Einflussbereich, 25 km südlich von Xining, seit Jahrhunderten in chinesischer Architektur dem tibetischen Buddhismus eine Art Hollywoodkloster aufgebaut. Natürlich ohne jede spirituelle Ausstrahlung, da kann nichts rüberkommen. So eine Art Museum für tibetische Religion, das bespielt wird.
Bei ziemlichem Regenwetter stand das „Kloster“ am 21. September auf unserem Programm und es war nur für die von uns interessant, die bisher mit Tibet nichts zu tun hatten. Da half’s auch nicht, dass wir gleich die Mutter des amtierenden Abtes des Klosters, einer der lebenden Buddhas, getroffen haben.
Der nächste Tag sah uns bei einem klaren und kalten Morgen wieder auf der Strasse: Ab kurz vor Lanzhou war die Strasse schlecht, dann kam auch noch ein Stausee des Gelben Flusses, der mit der Fähre überquert werden musste. Es ging an riesigen Lössprofilen vorbei durch super gepflegte Terrassenfelder mit viel Obst, „Dattel“- und Sichuan-Pfeffer-Bäumen. Die Gegend ist ein Zentrum der muslimischen Hui, überall grüßten Moscheen im etwas skurrilen chinesischen Tempelstil, als islamisch nur an Halbmond und Lautsprecher zu erkennen. Dann, etwa 200 km südlich Lanzhou, war man plötzlich in Tibet. Tschorten, Gebetsfahnen, Yaks und wild aussehende Kampas: In der ehemaligen tibetischen Region Amdo besuchten wir in 2900 m Höhe die Klosterstadt Labrang, ein Zentrum der Gelbmützensekte. Den besten Eindruck hatten wir am nächsten Morgen, den 23., um 07.00 Uhr, als wir mit Hunderten Pilgern aus allen Teilen Tibets das Kloster umrundeten. Die Besichtigung der Tempelanlagen von innen war dann eher eine touristische, dazu schlecht organisierte Übung schön allerdings zu sehen war der traditionelle Tagesablauf der weit über tausend Mönche, die sich von den Besuchern nicht stören ließen. Wir konnten tiefe Einblicke in die klösterliche Großküche nehmen und die Mönche beim Meditieren, Schmatzen, Beten & Singen beobachten (in dieser Reihenfolge). Der Einfluss Chinas ist gering, offen werden Bilder des Dalai Lama gezeigt und verehrt.
Für den Christian aus Chur war auch beim Stadtbummel gleich ein schönes altes, silberbeschlagenes Feuerzeug erworben; allerdings behielten wir es nicht lange, im Geschäft Nr. 133 blieb die Tüte beim Verlassen des Ladens auf dem Tresen liegen und war zwei Minuten später „wohl von einem anderen Kunden mitgenommen worden“, wie uns der Verkäufer versicherte. Übrigens sind alle Votivarienhändler in Labrang muslimische Hui...
Rückweg nach Lanzhou: Die letzte Fähre sollte um 19.00 gehen, um 17.30 standen wir bereits in der Schlange. Nützte aber nichts, denn sogenannte „Regierungsvertreter“ hatten Vorrang und das letzte Boot fuhr ohne uns. In finsterer Nacht mieteten wir einen privaten Seelenverkäufer andere wartende Chauffeure hatten Angst wegen Wind und Wellen und kamen ohne jedes Licht (Schwarzfahrt!) nach 30 Minuten heil am anderen Ufer an.
Heute Regen, Regen, Regen. Und das bei phantastischen Ausblicken auf die extrem reliefierte Lösslandschaft mit Tausenden Terrassen und vielen Resten von Höhlenbehausungen: In einer von ihnen hatte sich Mao hier nach dem Langen Marsch zwei Jahre von den Strapazen erholt. Durch einen Erdrutsch war die neue Hauptstrasse gesperrt und wir mussten die alte Strecke auf den Lösskämmen nehmen, die der Wegführung der Seidenstrasse entspricht. Etappenziel Ping Liang mit komfortablen Hotel und gutem Essen.
(GA & BA)